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Schon beim Kauf der Horizon lag mein Interesse nicht bei dem klassischen "Alpenpanorama" oder dem "Strand mit Palme".

Das Format, welches dem Blickfeld des Menschen sehr ähnelt, kann einfach mehr und bietet eine Menge Potential in vielen Bereichen der Fotografie. - Sich nur auf "schöne" Landschaften zu beschränken ...
Nun gut, wer's mag ...

Die Horizon 202

Objektiv:
2.8/28mm, Fixfokus

Verschlußzeiten:
1/2, 1/4, 1/8
1/60, 1/125, 1/250
(durch Kombination von drei Schlitzbreiten und zwei Schlitzgeschwindigkeiten)

Blenden:
2.8 - 4 - 5.6 - 8 - 11 - 16
da es sich um ein Fixfokus-Objektiv handelt, entscheidet die verwendete Blende über die zu erreichende Schärfentiefe.

Maximal ist bei Blende 16 ein Bereich von ca. 1m - unendlich  zu erreichen.

Filmformat:
handelsüblicher Kleinbildfilm
24x58mm (19-23 Bilder/Film)

und sonst noch ...
- eingespiegelte Libelle im Sucher
- mitgelieferte Filter (Grau- , Grün, Skylight-) werden aufs Objektiv geklemmt
- bei den drei "langsamen" Verschlußzeiten ist das Federwerk schon recht laut

Technische Daten & Tipps

Alle Bilder entstanden mit der russischen Horizon 202, die rein mechanisch funktioniert (nach mittlerweile 13 Jahren habe ich die Dichtungen gewechselt).

Sie erzeugt im Gegensatz zu der großen Anzahl von Pseudo-Panorama-Kameras, bei denen lediglich das Bild oben und unten beschnitten wird, "echte" Panoramen, indem das Objektiv das Motiv abschwenkt, sich also horizontal dreht. Dabei kommt ein Bereich von ca. 120 Grad auf den Film.

Vorteil: Verzeichnungen, wie bei den "Pseudos" werden in gewissen Bereichen vermieden - und überhaupt sieht das ganz anders aus.

Neben dem Modell 202 gibt es noch ein Modell mit der Bezeichnung 202s mit zwei zusätzlichen Belichtungszeiten.

Nahlinse im Eigenbau
Um unter schlechten Lichtverhältnissen Nahaufnahmen realisieren zu können, habe ich mir eine Nahlinse (0,5dpt.) schleifen lassen (ca. 75 € bei einem Optiker), die - eingesetzt in eine Horizon-Filterhalterung - bei offener Blende schon ab ca. 2 Meter scharf abbildet (dann aber auch nicht mehr bis unendlich).

Noch höhere Dioptrie-Werte würden den Mindestabstand noch weiter reduzieren, die Frage ist, wie sich das auf die Abbildungsqualität niederschlägt ...

Bin für jeden Erfahrungsbericht via email dankbar.

Schwachstelle Dichtungen
Jeder, der mit einer Horizon arbeitet, wird früher oder später mit nachlassenden Dichtungen konfrontiert. Die Bilder zeigen dann mehr oder weniger starke vertikale Streifen, abhängig davon, wie lange und wie intensiv vorher Licht auf die Kameravorderseite geschienen hat.
Wer sich die teilweise Demontage der Kamera zutraut, kann sich Dichtungen selber basteln und austauschen.

Horizon? - Noblex?
Die Horizon ist wesentlich schneller als die Noblex, deren Prinzip aus rein technischer Sicht wesentlich vernünftiger ist: Das Objektiv wird in der ersten halben Umdrehung auf die korrekte Geschwindigkeit gebracht - in der zweiten Hälfte wird erst belichtet. In der Praxis bedeutet dies: zwischen Auslösen und Belichten liegt eine Verzögerung - abhängig von der eingestellten Belichtungszeit. Bei einer "Standard-Noblex" dauert es bei einer Verschlußzeit von einer 1/60sek bereits eine Sekunde bis zur Belichtung. Für geduldige Alpenpanoramen ist dies sicherlich kein Problem - bei Reportagen ist der entscheidene Moment oft schon dahin. Auch wenn die neue Variante Noblex 135UC wesentlich schneller geworden ist - eine Verzögerung bleibt. Die Horizon mag von der Präzision der Belichtung hinterherhinken, aber sie belichtet nun mal sofort und ist somit meines Erachtens für spontanes Fotografieren einfach wesentlich besser geeignet.

Ebenfalls flott: die Bedienung. - Ohne überhaupt hinsehen zu müssen, können Blende und Verschlußzeit schnell wechselnden Lichtverhältnissen angepasst werden.

Wenn's hart zur Sache geht, stellt die Horizon mit Sicherheit die robustere Alternative dar, denn an ihrem Innenleben kann man erkennen, dass da nicht viel kaputt gehen kann.

Der Sucher gibt ziemlich genau die Bildbegrenzung wieder und last but not least: ich mag das Seitenverhältnis der Negative wesentlich lieber. - Die um 8mm längeren Negative der Noblex wirken auf mich nicht so harmonisch ... Geschmacksache. - Die Rollfilmvariante Noblex 150 hat übrigens dann wieder das Seitenverhältnis der Horizon ...

Viel genauer haben andere die technische Seite unter die Lupe genommen: Panorama-Links

Entwicklung? - Abzüge?
Bei mir geht jeder Film zum "Nur-Entwickeln" (Kodak T400CN, mit handelsüblichem C41-Prozess) mit "NICHT SCHNEIDEN". - Das Negativ wird dann gescannt - entweder in zwei Durchgängen (normaler KB-Scanner Nikon Coolscan III) mit anschließendem "Zusammenbau" oder per Flachbettscanner Epson Perfection 3200 Photo in einem Rutsch (und mit Rand).

Mittlerweile gibt es sehr günstige Großformat-Ausbelichtungen (z.B. 50x75cm für ca. 10 Euro (Foto-Quelle bei Upload)), die sich sehen lassen können.

Heute geht's: das eigene Buch
Was früher noch mit intensiven Drucker-Sessions und viel Handarbeit verbunden war, können heute - dank Digitaldruck - professionelle Anbieter schneller und preiswerter. Der eigene Fotobildband ist mit jedem Standard-PC realisierbar. Mittlerweile habe ich bereits bei drei Anbietern drucken lassen:

PIXOPOLIS ... überzeugte im Druck weniger (nur schwarzweiss getestet): Raster zu grob, alles insgesamt leicht zu hell und kein richtiges Schwarz. - Vorsatz- bzw. Hintersatzblatt setzten sich - weil auch glänzend - leider haptisch nicht so schön vom Buchblock ab.

FOTOBUCH.DE ... lieferte die bisher beste buchbinderische Arbeit und auch ein gutes Druckresultat: ziemlich farbgetreu bei kaum wahrnehmbarem Raster, schwarzweisse Bilder wurden vom Kontrast her sehr gut, wenn auch mit leichtem Farbstich aufs Papier gebracht.

Myphotofun ... hat mich überrascht. - ich testete das "Album Panorama Large 40" stilecht mit schwarzweissen Panoramabildern. Die Bilder gerieten scharf wie Abzüge, Kontrast super - nur mal wieder ein leichter Farbstich (eine Idee magenta und ein wirklich nur sehr leichter Cyan-Stich in den Lichtern). Schwarz war wirklich schwarz und wies keinerlei Farbsaum auf, wie bei den beiden ersten Anbietern der Fall war und was kleine dünne Schriften nicht gerade schön aussehen lässt. - Momentan gibt es nur Spiralbindung - diese erwies sich aber als gar nicht so schlecht. Wer auf ein selbstgestaltetes Äußeres nicht verzichten will, verwendet einfach dafür die erste und letzte Seite und wählt den transparenten Kunststoff-Umschlag (der nicht glasklar ist - was wieder recht edel aussieht).

Hier Scans von gedruckten Schwarzweissfotos, mit deren man das Druckraster - und den daraus resultierenden Schärfeeindruck ganz gut vergleichen kann:

Pixopolis (Mai 2005) Fotobuch (Mai 2005) Myphotofun (Dezember 2005)
Die Scans wurden mit 1200dpi gemacht - bei den ersten beiden handelt es sich sogar um einen Druck desselben Fotos.
PANO-LINKS